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In der Zeitschrift seit: 07.10.2005

Editorial

Stellen Sie sich ein paar Leute vor, die nicht davon ablassen können, miteinander zu diskutieren, obwohl sie meist so gar nicht einer Meinung sind. Stellen Sie sich vor, dass diese Diskutanten zu der Auffassung kommen, ihre Diskussionen wären nicht unwichtig und könnten auch für andere interessant sein – und Sie haben den Unfertigen Gedanken. Sie sollten wissen, dass sich diese Diskutanten unfertiger Gedanken als mit der linken Sache verbunden fühlen, aber nehmen Sie nicht an, dass wir uns einig wären, worin denn nun genau diese linke Sache bestünde und wohin sie sich entwickeln solle. Doch wir leben in spannenden Zeiten und unsere Fragen gehören zu denen, die sich der Linken stellen – glauben wir und, ob dem so ist, das werden Sie als Leser selber entscheiden müssen. Der Unfertige Gedanke hat sich vorgenommen, die Entwicklung der Linken so lange zu begleiten, wie sie eine so unfertige ist, dass es auf unsere Kommentare, unsere Polemik, unsere Spekulationen und Fragen, unsere Vorschläge und Überlegungen, auf unsere Gedanken also ankommen könnte. Der Unfertige Gedanke übt sich in kritischer Solidarität mit der Linken, wie solidarisch wir dabei sein können, wie kritisch wir werden müssen, das aber hängt von der Entwicklung ab, die die Linke nehmen wird. Der Unfertige Gedanke will die anstehenden Fragen, so breit wie nur möglich diskutieren, nicht verengt auf die aktuelle Politik, denn eine Linke, die nicht weiter aufgefasst wird, wäre uns die Mühe nicht wert. Einen Ort der Auseinandersetzung zu schaffen, an dem Politiker der Linken mit Künstlern und Intellektuellen zusammenkommen, die sich als links begreifen, bleibt uns ein Ziel. Diejenigen, die sich aus guten Gründen von der Linken zurückgezogen haben, wieder in die Debatte darüber mit einzuziehen, was aus ihr werde, wäre dem Unfertigen Gedanken wichtig, denn gerade die Erfahrungen und Schlussfolgerungen dieser Menschen sollten alle Linken interessieren.

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